Montag, 15. Dezember 2008

Wie gut sind Luxemburgs Krankenhäuser?

Entscheidungshilfe für Wahl einer Klinik könnte in drei bis fünf Jahren vorliegen

Von Raphael Zwank copyright www.wort.lu

Wie gut sind die Luxemburger Krankenhäuser – auch im Vergleich zu denen im Ausland? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Abgeordnete Aly Jaerling in einer parlamentarischen Anfrage. Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo erklärt in seiner Antwort, dass ein „verständliches und zuverlässiges Entscheidungsinstrument“ erst in etwa drei bis fünf Jahren vorliegen werde. Es gebe aber eine ganze Reihe von Ansätzen. Ab dem kommenden Jahr werde eine systematische Befragung über die Zufriedenheit der Patienten durchgeführt.

Internationale Vergleiche hätten sich bislang auf indirekte Indikatoren wie die Zahl der Betten pro tausend Einwohner, die Verweildauer und die Zahl der Prozeduren und Einrichtungen beschränkt, schickt der Minister voraus. Luxemburg sei in einer Arbeitsgruppe der „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD) beteiligt, um ein Instrument auszuarbeiten, das eine bessere Bewertung der Behandlungsresultate ermöglicht.
Vergleiche schwierig

Ein entsprechendes Instrument der Weltgesundheitsorganisation befinde sich noch in der Testphase. An einem weiteren Instrument, dem „International Quality Indicator Project“ (IQIP), an dem rund 500 Krankenhäuser aus aller Welt teilnehmen, beteilige sich seit kurzem ein im Bereich der Psychiatrie tätiges Luxemburger Spital und weitere Häuser hätten ihre Teilnahme zugesagt. Ansonsten gebe es nur nationale Vergleiche, „die mehr oder weniger gut und mehr oder weniger publik sind“, so der Minister.

Das Gesundheitsministerium stehe in Kontakt mit den Autoren des deutschen Instruments „Qualitätssicherung mit Routinedaten“ (QSR), um zu prüfen, inwiefern dieses in Luxemburg angewandt werden könnte. Die Schwierigkeit liege darin, dass es neben der internationalen Diagnoseklassifizierung (ICD 10) meist nur nationale Prozedurkodierungen gebe und es zudem nicht leicht sei, an die ausländischen Vergleichsdaten zu kommen. „Wir werden aber auch hier im Rahmen der Einführung des elektronischen Patientendossiers im Spital bald Entscheidungen treffen, die es uns erlauben, gültige und internationale Vergleiche vorzunehmen“, so der Minister.

Das Instrument, das derzeit am meisten Aufschluss gewähre, sei die „Carte sanitaire“, die für Laien nicht leicht verständlich sei. Dem Spezialisten biete sie jedoch Vergleichsresultate, die darauf hinweisen, dass Luxemburg in allen Punkten den Vergleich mit den Nachbarländern nicht zu scheuen brauche. Dies werde auch bestätigt durch die Resultate einer Untersuchung von „Health-Consumer Powerhouse“.

„Es operiert immer der Arzt“

Qualitätsmessungen erlaube auch das EFQM-Modell (European Foundation of Quality Management), das auf freiwilliger Basis durch eine Konvention zwischen der Krankenkassenunion und der „Entente des hôpitaux luxembourgeois“ (EHL) eingeführt wurde. Im Rahmen dieser Konvention werde im kommenden Jahr in Zusammenarbeit mit dem international renommierten Picker Institute eine systematische Befragung über die Zufriedenheit der Patienten durchgeführt.

Es habe demnach in letzter Zeit viele Fortschritte gegeben, was die Bewertung der Leistungsfähigkeit der Luxemburger Krankenhäuser betrifft. Aufgrund der bestehenden Instrumente sei es bereits möglich, sich vor einem Eingriff für oder gegen das eine oder andere Krankenhaus zu entscheiden – „auch wenn man wissen muss, dass nie das Krankenhaus operiert, sondern der Arzt.“ Schätzungsweise in drei bis fünf Jahren werde ein verständlicheres Instrument vorliegen, das solche Entscheidungen ermöglicht.

Auch im Zusammenhang mit der EU-Richtlinie über grenzüberschreitende Dienstleistungen im Gesundheitsbereich sei es wichtig, über ein solches Instrument zu verfügen. Kurzfristig erwarte der Minister die Resultate einer Ilres-Studie über die Zufriedenheit der Luxemburger mit ihrem Gesundheitssystem. Diese Studie soll auch Vergleiche mit anderen Ländern wie Deutschland, die Niederlande und Kanada ermöglichen.


PS: Anmerkung: Ja es operiert immer der Arzt und deshalb sollte man auch bei schweren Operationen (oder selten durchgeführten) die Patienten auch ins benachbarte Deutschland gehen lassen, auch wenn noch keine Konventionen zwischen Staat und dem Spezialkrankenhaus besteht). Es sei immer zu bedenken, dass eine gut durchgeführte Operation den Staat, resp. die Krankenkassen im Endeffekt billiger wird.

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